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Berufe begreifen im Ballenlager 04.05.2010

Elektroniker für Betriebstechnik. Schon mal gehört? Nein? Keine Sorge, denn den meisten der rund 220 Schüler, die sich gestern Morgen im Ballenlager informierten, ging es ähnlich. Aber ihnen konnte geholfen werden. Am Stand des Reckenfelder Unternehmens Luhns, das unter anderem Shampoo herstellt und abfüllt, verdeutlichten Torsten Wischnewski und seine Kollegen ganz anschaulich, was ein Elektroniker für Betriebstechnik so drauf haben muss. An einer selbst entwickelten Anlage, die den Shampooflaschen ansieht, ob sie etikettiert sind oder nicht, durften die Jungen und Mädchen in den Berufsalltag hineinschnuppern. "Wir bauen solche Anlagen selbst, passen aber auch gelieferte Anlagen an. Programmiert werden sie dann mit einem Laptop", erklärte er den jugendlichen Besuchern am Luhns-Stand. Die durften anschließend selbst Knöpfe drücken und zusehen, wie die Anlage auf ihre Programmier-Versuche reagierte.



Insgesamt 18 Ausbildungsbetriebe gewährten gestern im Ballenlager ähnliche Einblicke: Azubi-Klassiker wie Tischler, Gärtner, Friseurin oder Verkäufer im Einzelhandel waren ebenso darunter wie vergleichsweise neue und unbekanntere Berufsbilder. Ziel der zum sechsten Mal veranstalteten Berufs-Börse war es, Ausbildungsberufe vorzustellen und potientielle Azubis mit den entsprechenden Betrieben in Kontakt zu bringen.



Auch die Stadt Greven war vertreten: Der Wissensdurst von Verwaltungsfachangestellte in spe wurde ebenso gestillt wie der von Straßenwärtern oder Fachkräften für Abwassertechnik (BEG). "Wir als Stadt haben auch ein hohes Interesse an Auszubildenden, die Spaß an ihrer Aufgabe haben", sagte Bürgermeister Peter Vennemeyer. "Schmeckt schon anders als aus der Dose, was?" fragte er eine Mädchen-Truppe, die sich gerade bei Siggie Siemon über den Koch-Beruf informierte und dafür frische Ananas verkostete. Die Auswahl an Berufen und auch die Zugansgvoraussetzungen hätten sich in den zurückliegenden Jahren dramatisch verändert, berichtete der Verwaltungschef, der im Jahr 1975 die Realschule abgeschlossen hat.




Bernhard Hembrock, stellvertretender Landrat, nahm die Betriebe in die Pflicht, dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen. "In fünf oder sechs Jahren werden sich die Firmen bei den Schülern bewerben", prophezeite er. "Das Potenzial ist da, man muss zugreifen", verwies Renate Kaiser von der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft GfW auf den beiderseitigen Nutzen der Veranstaltung. Nicht umsonst werde "Berufe begreifen" stets "gut angenommen von Schulen und Firmen". Dass dies so ist, freut auch GfW-Chef Stefan Deimann. Wenn es gelinge, Betriebe und passende Azubis zusammenzubringen, stärke man damit auch die lokale Wirtschaft.



Achtklässler der Justin-Kleinwächter-Realschule, der Johannesschule und der Marienhauptschule durchliefen gestern den Berufe-Parcour und versuchten sich dabei an ganz praktischen Aufgaben: ein Beet bepflanzen, Natursteine setzen, eine Statistik auswerten, mit einer Schlauchwaage eine Höhe übertragen. Die meisten Schüler hatten sichtlich Spaß an ihren Mini-Jobs. Was vielleicht auch daran lag, dass sie anschließend in den seltenen Genuss kamen, selbst Noten verteilen zu dürfen. Denn in einem individuellen Protokoll sollten die Jugendlichen mittels Schulnoten ihre jeweilige Präferenz für das jeweilige Berufsbild einordnen. Und wer ein "gut" oder "sehr gut" verteilte, tat gut daran, sich gleich über die geforderte Qualifikation zu informieren, oder - noch besser - direkt einen Termin mit dem Chef in spe auszumachen.





VON OLIVER HENGST, GREVEN



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