
Unterricht zwischen Bananen und Getreideflocken.
(Foto: meg)
Warum sind kaltgepresste Öle besser als andere? Wodurch unterscheidet sich Bio–Käse von normalem Käse? Fragen für angehende Köche aus der Berufsschule? Von wegen. Fragen für Elfjährige aus der fünften Klasse der Justin-Kleinwächter-Realschule. Denn die lernen derzeit, was gute Ernährung ausmacht – viel Obst und Gemüse beispielsweise. Die Klasse bezahlt für das Projekt, das zehn Doppelstufen umfasst, aus der Klassenkasse eigens die Ernährungsberaterin Dagmar Wietheger, Das Ziel beschreibt Klassenlehrer Jörg Klose: "Die Kinder sollen den richtigen Umgang mit Nahrungsmitteln lernen." Denn dass Kinder dies von zu Hause aus wüßten, sei heute nicht mehr selbstverständlich. "In vielen Familien wird aus Zeitmangel nicht mehr regelmäßig selbst gekocht."
Um etwas über Ernährung zu lernen, gibt’s natürlich ein bisschen Theorie. "Ein Kind wusste sogar schon, dass Süßes in Fett umgewandelt werden kann", ist Dagmar Wietheger erstaunt, dass die Klasse schon eine ganze Menge weiß. Sie erzählt den Kindern natürlich ebenfalls eine Menge über Kalorien und Vitamine, Eiweiß und Fett. Aber wichtiger als Wissen ist die Praxis. Und deshalb waren die Kinder am Mittwoch im Bio-Supermarkt an der Alten Münsterstraße zu Gast. Auf dem Lehrplan stand Nahrungsmittelkunde – und Einkaufen für besonders leckere und gesunde die Pausenbrote, die die Kinder am Freitag zubereiten sollen.
"Nahrungsmittelkunde" allerdings klingt viel zu langweilig für das, was die Kinder schließlich im Super-Biomarkt taten. Es war mehr eine Rallye durch das Geschäft. In Kleingruppen sollten die Realschüler verschiedene Aufgaben lösen. Beispiele? "Wie heißt heute das günstigste Gemüse und was kostet es?" – Suche die Tomatencremesuppe aus der tüte, sie kostet 1,19 Euro und ist eine schnelle gesunde Mahlzeit. Bis wann ist sie haltbar?" Ernährungsberaterin Wietheger ermahnte die Schüler vorweg: "Wenn ihr allein nicht weiterkommt, fragt das Verkaufspersonal. Das müsst ihr auch tun, wenn eure Lehrer und ich mal nicht dabei sind."
Ist das Öl auch wirklich kaltgepresst?
Die Schüler beherzigten den Rat, schwirrten durch den Verkaufsraum, studierten Etiketten und löcherten die Verkäuferinnen. "Wir haben schon alles", sagten die ersten nach einer Viertelstunde, während andere noch nach dem richtigen Öl suchten. Haben die kleinen Lebensmittelexperten denn auch schon Erfahrung mit dem Kochen? "Ich schnipple manchmal das Gemüse", erzählt eine. Andere helfen regelmäßig beim Backen. "Am besten ist es, die Teigschüssel auszulecken."
Im Rahmen ihres Projekts werden die Kinder, richtige Mahlzeiten kochen. "Wir haben einen sehr guten Rückhalt durch die Eltern", freut sich Klassenlehrer Klose. Das ist wichtig, schließlich soll gesunde Ernährung keine Eintagsfliege sein.
In der Justin-Kleinwächter-Realschule hat man sich des Themas schon länger angenommen Derzeit läuft das so genannte Wasserprojekt – eine Mineralwasserfirma stellt ihr Produkt zur Verfügung, die Schüler dürfen im Unterricht trinken. "Das fördert die Konzentration und das Leistungsvermögen", lobt Dagmar Wietheger die Initiative. "Wasser ist ein Energieträger."
Die Ernährungsberaterin, die auch Erzieherin ist, hofft, dass solche Projekte auch langfristig Erfolge zeitigen. "Diese Kinder sind vielleicht Ihre Kunden von morgen", sagte sie zu "Bio-Supermarkt-Filialleiterin Heike Nienkemper. "Und auch heute färbt schon manches auf die Eltern ab."
VON MONIKA GERHARZ, GREVEN
24 · 05 · 07
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