
Was macht eigentlich ein Straßenwärter der städtischen BEG? Unter anderem baut er Warnschranken auf und überprüft ihre Funktion. Wie das geht, lernten die Schüler gestern im Ballenlager.

Jörns Entschluss steht felsenfest: Er will Koch werden. Unbedingt. Was seine Berufswahl angeht, ist er seit langem sicher. Und das lange bevor der Justin-Kleinwächter-Realschüler gestern mit seiner Klasse die Veranstaltung
"Berufe begreifen" im Ballenlager besucht.
Aber die Stippvisite am Stand der beiden Gastronomiebetriebe Deutscher Herd und Stegemann bestärkt den 15-Jährigen in seinem Vorhaben. Die bei Siggi Siemon zu erledigende Aufgabe meistert der Nachwuchs-Koch in spe nämlich mit links: Gemüse – selbst exotisches – erkennt er auf Anhieb. Wo zahlreiche Altersgenossen passen müssen, kommen seine Antworten wie aus der Pistole geschossen: Radicchio, Chicorée, Fenchel – alles kein Problem für Jörn. "Nur den Namen von dem da vergesse ich immer wieder", sagt der Reckenfelder und zeigt auf eine purpurfarbene Frucht: "Das ist eine Aubergine", hilft Siggi Siemon aus. "Aber sonst hat der alles gewusst", lobt der Gastwirt den Jugendlichen. Was ihn am Koch-Job reizt? "Man muss Kreativität beweisen und kann irgendwann, wenn man die Grundlagen drauf hat, eigene Gerichte entwicklen", fiebert Jörn seinem Schulabschluss entgegen. Er hofft auf einen Ausbildungsplatz in Reckenfeld.

Viele andere Achtklässler sind sich hinsichtlich ihrer Berufswahl längst nicht so sicher wie Jörn. Und genau deshalb hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft die Veranstaltung "Berufe begreifen" ins Leben gerufen. Gestern fand die vierte Auflage statt. Rund 115 Jugendliche der Justin-Kleinwächter-Realschule sowie 75 von der Marienhauptschule nutzten die Chance, sich an 14 Ständen über insgesamt 20 Berufsfelder zu informieren – darunter bekannte wie Friseur, Erzieherin und Hauswirtschafterin, aber auch unbekannte wie Fachkraft für Abwassertechnik, Gestalter für visuelles Marketing oder Verfahrensmechaniker für Kunststofftechnik.
Wer solche Ausbildungsberufe anbietet, hat nicht selten ein Problem, überhaupt Interessenten zu finden. "Viele Jugendliche konzentrieren sich auf wenige Berufe, die sie aus ihrem persönlichen Umfeld kennen", weiß Reinhold Strunck-Erpenstein, Leiter der Agentur für Arbeit Rheine. Daher begreifen die teilnehmenden Unternehmen "Berufe begreifen" auch als Chance für sich, geeigneten Nachwuchs zu finden. "Die Unternehmer erleben, wie sich die Schüler präsentieren und wie sie sich bei praktischen Aufgaben anstellen", erläutert Organisatorin Renate Kaiser von der GfW das Konzept. "Man muss das Interesse der Jugendlichen wecken", sagt Bürgermeister Peter Vennemeyer. Annette Willebrandt, stellvertretende Landrätin ist zwar von der Vielfalt der vorgestellten Berufe angetan, wünscht sich jedoch eine noch stärkere Beteiligung der mittelständischen Unternehmen.
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VON OLIVER HENGST, GREVEN
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